Schluss mit günstig. Was uns die Preiserhöhung von DAZN lehrt

DAZN

Mitten in der Fußball-Saison hat der Sport-Streaming-Dienst DAZN die Preise deftig erhöht und damit bei vielen Sportfans einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Dieser Ärger ist einerseits verständlich, denn DAZN hat den Preis für das monatlich kündbare Abo für Neukunden auf 29,99 Euro verdoppelt, ohne dafür sein Angebot in gleichem Maß auszubauen. Als DAZN 2016 in Deutschland an den Start ging, kostete das Monatsabo noch 9,99 Euro. Der Dienst galt als preisgünstige Ergänzung zum Platzhirsch Sky, der allerdings über viel mehr Rechte verfügte.

Mit der aktuellen Preiserhöhung bewegt sich DAZN nun auf dem Niveau des Sky-Supersport-Tickets. Ein Fußballfan, der alle Spiele seines Bundesligavereins sehen möchte, muss für beide Angebote zusammen nun rund 60 Euro im Monat bezahlen – die Spiele am Freitag und Sonntag laufen auf DAZN, die Samstagspartien auf Sky. Der Ärger der Fans wird auch dadurch angefacht, dass wegen der Corona-Zugangsbeschränkungen in den Stadien die Bezahlfernseh- und Streaming-Angebote oft die einzige Möglichkeit sind, ein Spiel live zu verfolgen. Der Eindruck, dass DAZN sich diese Situation zunutze macht, ist nicht abwegig. Auf der anderen Seite ist festzuhalten, dass DAZN-Bestandskunden bis Saisonende von der Neuerung verschont bleiben und wie bisher 14,99 Euro zahlen. Danach ist eine Erhöhung aber wahrscheinlich, auch wenn sich das Unternehmen noch bedeckt hält.

Was das Bundeskartellamt mit der Preiserhöhung zu tun hat

Nicht ganz unschuldig an der Preisexplosion ist kurioserweise das Bundeskartellamt. Das hatte in der Ausschreibung für die Live-Rechte ein sogenanntes Alleinerwerbsverbot verlangt. Die Wettbewerbsbehörde wollte mit einer Verteilung auf mindestens zwei Käufer den Innovationswettbewerb bei Live-Übertragungen ankurbeln. Schwer vorstellbar jedoch, dass ein Anbieter allein sich in eine Preissphäre von 60 Euro getraut hätte. Deutlich wird mit dem Preis-sprung auch, dass sich gerade die Übertragungsrechte für Fußball nicht zu Billig-Tarifen refinanzieren lassen, auch nicht über eine hohe Zahl von Abonnenten. Das musste vor 15 Jahren schon der 2006 gegründete Bundesliga-Sender Arena feststellen, der nach anderthalb Jahren die Segel strich – und seit damals haben die Preise für die Rechte deutlich zugelegt.

Live-Sport zieht noch immer, wie der scheidende HR-Intendant Manfred Krupp kürzlich betonte. Noch nie gab es so viele Live-Sport-Angebote im Fernsehen und im Internet. Neben Sky und DAZN ist mittlerweile auch Amazon Prime in die Übertragung von Fußballspielen eingestiegen. Ein Wettbewerb, der unter anderem dazu führt, dass es kaum noch Live-Spiele bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt.

Zurück zur Radiokonferenz?

Für die Fans stellt sich die Frage, ob sie tatsächlich jedes Spiel live am Bildschirm erleben müssen und ob sie den neuen Preis dafür bezahlen wollen und können. Zur Erinnerung und auch als kleiner Hoffnungsspender: Fußball hat auch schon ohne Pay-TV und Streaming die Massen elektrisiert. Jahrzehntelang haben die Menschen die Spiele entweder im Stadion oder am Radio verfolgt. Die Spieltage waren damals noch nicht so zerfleddert wie heute. Anpfiff war in aller Regel am Samstag um 15.30 Uhr. Der Höhepunkt des Nachmittags war die ARD-Schlusskonferenz, wo die Hörfunkreporter von den Bundesliga-Plätzen der Republik auch heute noch zusammengeschaltet werden. Oft überschlugen sich die Ereignisse in einer Dynamik, für die die Fernsehkonferenzen beim Umschalten in ein anderes Stadion oft zu langsam sind.

Die ersten Bewegtbilder vom aktuellen Spieltag gab es dann rund eine Stunde nach Abpfiff in der ARD-„Sportschau“ oder zeitweise auch bei RTL und Sat.1. Es klingt womöglich etwas nostalgisch: Aber die schlechtesten Zeiten aus Sicht eines Fans waren das damals nicht.

(Dieser Beitrag ist am 10. Februar 2022 zunächst bei epd Medien erschienen)

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